Bedarfsanalyse

in der Weiterbildung

Dunkelroter Kreis
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Bedarfsanalyse in der Weiterbildung: Warum die wichtigste Stunde vor dem Training liegt

Die Frage, was die Teilnehmende wirklich brauchen, lässt sich mit wenig Aufwand klären, und genau das macht sie zur lohnendsten Investition der ganzen Maßnahme.

Wo wir uns im Modell befinden

Dimension 1 von 4: Achtsames Design Erfolgsfaktor 1 von 12: Bedarfserhebung

Nachhaltige Wirksamkeit entsteht nicht durch einen einzelnen Kniff, sondern durch das Zusammenspiel von zwölf Erfolgsfaktoren in vier Dimensionen.

Die erste Dimension heißt Achtsames Design und umfasst alles, was den Lernprozess als Ganzes gestaltet:

  • Bedarfserhebung,
  • Prozessbegleitung
  • Wirksamkeitsanalyse.

Dieser Artikel steht ganz am Anfang dieses Weges, an der Stelle, an der über Ziel und Richtung entschieden wird. Alles, was danach kommt, baut darauf auf.

Die Bedarfserhebung ist der Faktor mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung. Ein paar Stunden vor der Maßnahme entscheiden darüber, ob Monate danach etwas anders läuft.

Was die Forschung sagt

Die Meta-Analyse von Arthur, Bennett, Edens und Bell (2003) über fast 400 Effektstärken zeigt, dass Trainings mit systematischer Bedarfsanalyse deutlich höhere Wirkung erzielen als Trainings ohne. Auch die große Übersichtsarbeit von Lacerenza und Kollegen (2017) zu Führungskräftetrainings bestätigt, dass Programme mit vorgeschalteter Bedarfsanalyse messbar stärkere Transfereffekte erreichen.

Eine fundierte Bedarfsanalyse betrachtet drei Ebenen. Dieses Vorgehen geht bereits auf McGehee und Thayer (1961) zurück und ist bis heute relevant.

  1. Geht es um die Organisation. Welche Ziele verfolgt sie und welche Veränderungen sollen durch die Weiterbildung unterstützt werden
  2. Geht es um die konkreten Anforderungen der Aufgabe. Welche Kompetenzen brauchen Mitarbeitende oder Führungskräfte, um ihren Arbeitsalltag gut zu bewältigen?
  3. Geht es um die Personen selbst. Welche Erfahrungen, Fähigkeiten und Entwicklungsbedarfe bringen sie bereits mit?

Erst aus dem Zusammenspiel dieser drei Perspektiven entsteht ein realistisches Bild. Ein Unternehmen kann sich beispielsweise mehr Konfliktfähigkeit wünschen. Im Arbeitsalltag zeigt sich jedoch, dass vor allem schwierige Gespräche unter Zeitdruck eine Herausforderung darstellen.

Gleichzeitig verfügen viele Teilnehmende vielleicht bereits über gute Gesprächsführungskompetenzen. Eine Weiterbildung sollte deshalb genau dort ansetzen, wo tatsächlich Entwicklungsbedarf besteht.

Bedarfserhebung schafft außerdem Klarheit über die Ziele der Weiterbildung. Das passt zu den Ergebnissen von Locke und Latham (2002). Ihre Forschung zeigt, dass konkrete und anspruchsvolle Ziele wirksamer sind als allgemeine Absichtserklärungen. Eine gute Bedarfsanalyse sorgt deshalb dafür, dass Auftraggeber, Führungskräfte und Teilnehmende möglichst klar wissen, was sich durch die Weiterbildung konkret verändern soll.

Praktische Umsetzung: Fragen, die wirklich weiterhelfen

Eine Bedarfserhebung steht und fällt mit der Qualität der Fragen. Viele Vorgespräche bleiben an der Oberfläche, weil die Fragen zu allgemein sind oder zu früh in Richtung Lösung drängen. Die folgenden Fragen sind nach den drei Ebenen der Bedarfsanalyse geordnet und haben sich in der Praxis bewährt. Sie sind als Orientierung gedacht, nicht als Abfrageskript.

Ebene 1: Die Organisation

Diese Fragen klären, ob die geplante Maßnahme zur strategischen Richtung passt und ob die Rahmenbedingungen einen Transfer überhaupt ermöglichen.

  • Was soll sich durch diese Maßnahme konkret verändern und woran würden Sie das in drei Monaten erkennen?
  • Welche anderen Initiativen laufen parallel, die dasselbe Thema berühren?
  • Was passiert, wenn die Maßnahme stattfindet, aber die Rahmenbedingungen unverändert bleiben?

Die letzte Frage ist die unbequemste und deshalb die wertvollste. Sie macht sichtbar, ob ein strukturelles Problem vorliegt, das kein Training lösen kann.

Ebene 2: Die Aufgabe

Hier geht es um den konkreten Arbeitsalltag, nicht um abstrakte Kompetenzbedarfe.

  • In welchen Situationen zeigt sich der Bedarf am deutlichsten? Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?
  • Was läuft in diesen Situationen gut, was nicht?
  • Welche Rahmenbedingungen erschweren das gewünschte Verhalten (Zeit, Tools, Prozesse, Teamgröße)?

Der letzte Punkt wird häufig übergangen. Wenn jemand in Konfliktgesprächen unsicher ist, liegt das manchmal nicht am fehlenden Können, sondern daran, dass für solche Gespräche schlicht kein Zeitfenster existiert.

Ebene 3: Die Personen

Diese Fragen richten sich an die Zielgruppe selbst und zwar möglichst direkt, nicht über die Führungskraft als Filter.

  • Welche Erfahrungen haben Sie mit ähnlichen Themen bereits gemacht, im Training oder im Alltag?
  • Was hat dabei funktioniert, was nicht?
  • Was würde Ihnen helfen, das Gelernte danach tatsächlich anzuwenden?

Die Antwort auf die letzte Frage liefert häufig mehr Transferideen als jedes Methodenbuch. Teilnehmende wissen sehr genau, was sie im Alltag bremst, man muss nur fragen.

Eine Frage für alle drei Ebenen

Es gibt eine einzige Frage, die sich an alle Beteiligten stellen lässt und trotzdem auf jeder Ebene etwas Verschiedenes offenbart:

Was darf durch diese Maßnahme auf keinen Fall passieren?

  • Auftraggeber nennen dann Reputationsrisiken oder politische Empfindlichkeiten.
  • Führungskräfte nennen Teamdynamiken.
  • Teilnehmende nennen Befürchtungen.

Alle drei Antworten zusammen ergeben ein Bild, das kein Fragebogen liefert.

Woran Sie gute Bedarfserhebung erkennen

Gute Bedarfserhebung zeigt sich weniger an einem einzelnen Instrument als an der Sorgfalt, mit der gefragt und zugehört wird. In der Praxis sieht das zum Beispiel so aus:

  • Zwei Wochen vor dem Seminar geht ein Kurzfragebogen an alle Teilnehmenden.
  • Die drei meistgenannten Praxissituationen werden zur Fallarbeit im Training.
  • Ergänzend führt ein guter Anbieter Telefoninterviews mit drei bis fünf Personen aus der Zielgruppe, oft reichen fünfzehn Minuten pro Gespräch, um das halbe Konzept zu verändern.

Aus dem ursprünglichen Wunsch „Wir brauchen ein Kommunikationstraining“ wird nach solchen Vorgesprächen häufig ein konkretes Verhaltensziel, etwa: „Unsere Teamleitungen brauchen Sicherheit in Konfliktgesprächen.“

Auch die Führungskraft sollte im Vorgespräch konkrete Situationen benennen, an denen sie die Veränderung später erkennen will. Damit wird sie Teil des Prozesses, bevor er beginnt.

Das Prinzip gilt über die klassische Weiterbildung hinaus. In der Ernährungsberatung ersetzt ein Sieben-Tage-Protokoll die Standardempfehlung, der Plan entsteht dann aus den echten Essmustern, samt Schichtdienst und Kantinenrealität.

In der Physiotherapie fragt eine gute Anamnese nicht nur nach dem Schmerz, sondern nach Alltagszielen: Was soll wieder möglich sein, joggen, die Enkelin hochheben, durchschlafen.

Und im betrieblichen Gesundheitsmanagement werden vor der Maßnahmenplanung vorhandene Daten ausgewertet, etwa die Fehlzeitenstruktur, die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung oder BEM-Fälle.

Der stärkenorientierte Blick: Was die Positive Psychologie zur Bedarfsanalyse fördert

Die klassische Bedarfsanalyse fragt schnell immer zuerst nach Defiziten: Wo bestehen Kompetenzlücken, was fehlt, was läuft schief? Diese Perspektive ist notwendig, aber sie ist nicht die einzige.

Die Positive Psychologie liefert einen komplementären Blickwinkel, der in der Praxis noch zu selten genutzt wird: Statt ausschließlich zu fragen, was Mitarbeitende noch nicht können, wird auch erhoben, welche Stärken und Ressourcen bereits vorhanden sind und wie sich Training gezielt darauf aufbauen lässt.

Empirisch ist dieser Ansatz keineswegs nur ein netter Zusatz. Eine kombinierte Ressourcen-Stärken-Intervention aus zwei Studien zur Positiven Psychologie zeigte messbare Verbesserungen bei Arbeitsleistung, emotionalem Commitment und einen Nachteil von Erschöpfung bei den teilnehmenden Mitarbeitenden ( Ceschi et al., 2022, International Journal of Training and Development ). Entscheidend ist dabei, dass stärkende Maßnahmen nicht isoliert wirken, sondern in die Organisationskultur und HR-Praxis eingebettet sein müssen, um nachhaltig zu greifen ( Frontiers in Psychology, 2021).

Methodisch lässt sich das über Ansätze wie Appreciative Inquiry umsetzen: Statt nur zu fragen „Was fehlt Ihnen?“, wird zusätzlich erhoben „Was funktioniert bei Ihnen bereits richtig gut und wie können wir das ausbauen?“ ( Chopra, LinkedIn ).

Für die Praxis bedeutet das: Ergänzend zu Ihrem Bedarfsanalyse-Fragebogen eine Stärken-Mapping-Frage stellen, etwa „Wann haben Sie sich in Ihrer Rolle zuletzt besonders wirksam gefühlt?“. Diese Antworten liefern nicht nur wertvolle Trainingsinhalte, sondern erhöhen auch die Akzeptanz der gesamten Maßnahme, weil sich Teilnehmende von Anfang an ernst genommen fühlen.

Die häufigsten Stolpersteine

  • Eine verbreitete Falle ist die Verwechslung von Themenwunsch und Bedarf. „Wir wollen etwas zu Resilienz“ ist ein Thema, kein Bedarf. Der eigentliche Bedarf dahinter kann Arbeitsverdichtung sein, ein Führungsproblem oder schlicht Personalmangel. In diesen Fällen hilft kein Seminar der Welt, und ein Resilienztraining kann sogar zynisch wirken, weil es die Betroffenen für Bedingungen verantwortlich macht, die sie nicht ändern können.
  • Genauso häufig wird nur die Auftraggeberseite befragt, nie die Zielgruppe selbst. Wer beide Seiten befragt, findet fast immer eine Lücke zwischen den Antworten, und genau diese Lücke ist die wertvollste Information der ganzen Analyse, weil sie zeigt, wo Fremdbild und Selbstbild auseinandergehen.
  • Ein dritter, subtilerer Punkt betrifft den Umgang mit den Ergebnissen. Die Analyse findet statt, verändert das Konzept am Ende aber nicht. Wer den Fragebogen auswerten lässt und dann doch das Standardseminar bucht, hat Zeit und Vertrauen verbrannt. Eine Bedarfserhebung ist nur so gut wie die Bereitschaft, das eigene Konzept danach tatsächlich anzupassen, und diese Bereitschaft liegt nicht nur beim Anbieter, sondern auch bei Ihnen als Auftraggeberin.
    Kein Faktor wirkt allein: die Bedarfserhebung im Gesamtgefüge

Die Bedarfserhebung bildet die Grundlage für viele weitere Entscheidungen im Weiterbildungsprozess. Je genauer zu Beginn geklärt ist, was erreicht werden soll, welche Anforderungen der Arbeitsalltag stellt und was die Teilnehmenden bereits mitbringen, desto gezielter können alle weiteren Schritte geplant werden.
Das beginnt bei der späteren Wirksamkeitsanalyse. Wer am Anfang nicht festhält, wo die Ausgangslage liegt und woran eine gewünschte Veränderung erkennbar werden soll, kann später kaum beurteilen, was eine Maßnahme tatsächlich bewirkt hat. Die Bedarfserhebung schafft damit die Vergleichsbasis für die Evaluation.

Auch die Wahl der Methoden hängt davon ab. Eine Zielgruppe im Schichtbetrieb braucht andere Lernformate als Führungskräfte, die regelmäßig an Online-Terminen teilnehmen können. Manche Gruppen profitieren von längeren Lernphasen und Austauschformaten, andere eher von kurzen Impulsen, die sich unkompliziert in den Arbeitsalltag integrieren lassen. Solche Entscheidungen lassen sich sinnvoll treffen, wenn die Rahmenbedingungen vorher bekannt sind.

Das Gleiche gilt für den Transfer. Je konkreter beschrieben ist, welches Verhalten sich im Arbeitsalltag verändern soll, desto leichter lassen sich passende Transferaufgaben, Übungsgelegenheiten oder konkrete Wenn-dann-Pläne entwickeln. Aus dem allgemeinen Wunsch „besser mit Konflikten umgehen“ wird dann beispielsweise das Ziel, schwierige Themen früher anzusprechen oder in angespannten Situationen zunächst eine bestimmte Gesprächstechnik einzusetzen.

Auch für eine stärkenorientierte Gestaltung liefert die Bedarfserhebung wichtige Hinweise. Wer in Vorgesprächen nach Erfahrungen, vorhandenen Kompetenzen und bereits funktionierenden Lösungen fragt, beginnt nicht bei null. Die Weiterbildung kann an dem anknüpfen, was schon vorhanden ist, statt Inhalte zu vermitteln, die die Teilnehmenden längst beherrschen.
Damit wirkt die Bedarfserhebung wie das Fundament eines Hauses. Sie entscheidet nicht allein darüber, ob das Gebäude am Ende trägt. Aber wenn das Fundament unklar oder zu schmal angelegt ist, werden viele spätere Entscheidungen schwieriger. Eine sorgfältige Analyse zu Beginn schafft Orientierung für das Design, die Methoden, den Transfer und die spätere Überprüfung der Wirkung.

Trotzdem gilt auch hier. Eine sehr gute Bedarfserhebung allein sorgt noch nicht für nachhaltige Wirkung. Sie schafft die Voraussetzungen dafür, dass die weiteren Erfolgsfaktoren sinnvoll ineinandergreifen können. Genau darin liegt die Stärke des Gesamtmodells. Wirkung entsteht aus dem Zusammenspiel.

So starten Sie

Eine gute Bedarfsanalyse gehört zu den Kernaufgaben von Personalentwicklung und betrieblichem Gesundheitsmanagement. Sie müssen sie jedoch nicht allein leisten. Im Gegenteil. Je konsequenter Sie Führungskräfte, Zielgruppe und externe Trainerinnen, Trainer oder Coaches einbeziehen, desto genauer wird das Bild und desto weniger bleibt an Ihnen hängen.

  1. Klären Sie zuerst den konkreten Anlass
    Am Anfang steht die Frage, warum eine Maßnahme überhaupt geplant wird. Was soll sich verbessern? Wo zeigt sich aktuell ein Problem? Welche Veränderung wird erwartet?
    Ein Auftrag wie „Wir brauchen etwas zum Thema Resilienz“ oder „Unsere Führungskräfte sollten besser kommunizieren“ reicht dafür noch nicht aus. Solche Themen müssen konkreter werden.
    Ihre Aufgabe besteht darin, die richtigen Fragen zu stellen und aus einem allgemeinen Themenwunsch einen klaren Entwicklungsauftrag zu machen.
    Eine hilfreiche Leitfrage lautet
    „Woran würden wir in drei Monaten merken, dass sich die Maßnahme gelohnt hat?“
    Damit lenken Sie den Blick weg vom Seminartitel und hin zur gewünschten Wirkung.
  2. Holen Sie die Führungskraft mit ins Boot
    Sie kennen als Personalentwicklerin oder BGM-Verantwortlicher viele Hintergründe, aber nicht jede konkrete Situation im Arbeitsalltag der Zielgruppe.
    Deshalb sollte die zuständige Führungskraft ihre Perspektive einbringen. Sie kann beschreiben, welche Anforderungen bestehen, wo Schwierigkeiten auftreten und welches Verhalten künftig häufiger zu sehen sein sollte.
    Das entlastet Sie gleichzeitig. Sie müssen den Bedarf nicht stellvertretend für einen Bereich definieren, den andere viel näher erleben.
    Ein kurzes Vorgespräch von 15 bis 30 Minuten reicht oft schon aus, wenn die Fragen gut gewählt sind.
  3. Fragen Sie die Zielgruppe selbst
    Eine zweite Perspektive ist genauso wichtig. Die Menschen, die später an der Maßnahme teilnehmen, wissen am besten, wo sie im Alltag tatsächlich Unterstützung brauchen.
    Fragen Sie beispielsweise, was bereits gut funktioniert, welche Situationen besonders herausfordernd sind, welches Vorwissen vorhanden ist und was sie aus früheren Maßnahmen schon kennen.
    Damit verhindern Sie, dass Inhalte angeboten werden, die längst bekannt sind oder am tatsächlichen Bedarf vorbeigehen.
    Gerade dieser Schritt verändert häufig die Qualität eines Trainings erheblich. Aus einer Maßnahme für eine Zielgruppe wird eine Maßnahme, die mit Blick auf diese Zielgruppe gestaltet wurde.
  4. Nehmen Sie externe Trainer und Coaches stärker in die Verantwortung
    Auch die Anbieter selbst sollten einen aktiven Beitrag zur Bedarfsanalyse leisten.
    Ihre Aufgabe als Personalentwicklung oder BGM besteht nicht darin, bereits ein vollständig ausgearbeitetes Konzept zu liefern und anschließend nur noch jemanden mit der Durchführung zu beauftragen.
    Von professionellen Trainerinnen, Trainern und Coaches dürfen Sie erwarten, dass sie nachfragen, Zusammenhänge verstehen wollen und den Auftrag fachlich mit schärfen.
    Gute Anbieter fragen zum Beispiel: Was soll sich nach der Maßnahme konkret verändert haben? Welche Situationen erleben die Teilnehmenden im Alltag?Welche Erfahrungen bringen sie bereits mit?Welche Rahmenbedingungen erleichtern oder erschweren die Umsetzung?Und sie sollten auch sagen können, wenn ein Seminar allein für das gewünschte Ziel nicht ausreicht.Genau an dieser Stelle können Sie sich als Auftraggeber bewusst entlasten. Sie schaffen den Rahmen und stellen sicher, dass die relevanten Perspektiven zusammenkommen. Die fachliche Übersetzung in ein passendes Konzept ist auch Aufgabe des externen Anbieters.
  5. Machen Sie aus Themen konkrete Ziele. Bevor das Konzept geschrieben wird, sollte aus jedem größeren Themenwunsch möglichst ein beobachtbares Ziel werden.
    „Gesünder führen“ ist zunächst ein Thema.
    Konkreter wäre beispielsweise, dass Führungskräfte Frühwarnsignale bei Mitarbeitenden schneller wahrnehmen, Belastungen früher ansprechen und gemeinsam nach Entlastungsmöglichkeiten suchen.
    Je genauer dieses Ziel beschrieben ist, desto leichter können Trainer passende Methoden auswählen und desto besser können Sie später beurteilen, ob die Maßnahme etwas bewirkt hat.
  6. Klären Sie gemeinsam, was Weiterbildung leisten kann
    Bedarfsanalyse bedeutet auch, die Grenzen einer Maßnahme zu erkennen.
    Manche Probleme entstehen durch fehlendes Wissen oder fehlende Kompetenzen. Dann kann Weiterbildung viel bewirken.
    Andere Ursachen liegen in Strukturen, Ressourcen, Rollen oder Führungssystemen. Wenn Mitarbeitende dauerhaft überlastet sind, Verantwortlichkeiten unklar bleiben oder Transfer im Alltag nicht unterstützt wird, kann auch ein sehr gutes Training nur begrenzt helfen.
    Deshalb sollte eine Bedarfsklärung immer auch enthalten
    „Was muss neben der Weiterbildung passieren, damit die gewünschte Veränderung überhaupt möglich wird?“
    Diese Frage schützt Sie davor, Seminare für Probleme einzukaufen, die an anderer Stelle gelöst werden müssen.
  7. Etablieren Sie Bedarfsanalyse als festen Standard
    Das Ziel sollte sein, dass keine größere Weiterbildungs- oder Gesundheitsmaßnahme mehr startet, ohne vorher systematisch zu klären, was diese Organisation, diese Aufgabe und diese Zielgruppe tatsächlich brauchen.
    Das bedeutet nicht, jedes Konzept vollständig neu zu entwickeln. Bewährte Formate können weiterhin genutzt werden. Sie werden jedoch angepasst, ergänzt oder gekürzt, damit sie zur jeweiligen Situation passen.
    Eine solche Klärung spart häufig mehr Ressourcen, als sie kostet.
    Wenn zwölf Mitarbeitende einen Seminartag besuchen, investieren Sie bereits zwölf Arbeitstage. Dazu kommen Organisation, Honorar, Vorbereitung und möglicherweise Reisezeiten. Wenn die Inhalte anschließend kaum gebraucht werden, ist der Verlust erheblich.Ein paar gut geführte Vorgespräche sind dagegen eine vergleichsweise kleine Investition.

Woran Sie merken, dass die Bedarfserhebung funktioniert hat

Der Unterschied zeigt sich oft schon während der Maßnahme.
Dann sitzen Menschen nicht im Seminar und warten darauf, dass der Tag vorbeigeht. Sie erkennen ihre eigenen Situationen wieder. Sie schreiben mit, stellen konkrete Fragen und überlegen bereits während einer Übung, wo sie das Gelernte anwenden können.
Manche planen noch im Seminar ihr nächstes Gespräch. Andere schicken sich selbst eine Erinnerung, vereinbaren einen Termin oder nehmen sich vor, am nächsten Morgen etwas anders zu machen.
Genau diese Energie wollen Sie erzeugen.

Ihre Aufgabe in Personalentwicklung und BGM besteht dabei weniger darin, alles selbst zu wissen oder selbst vorzubereiten. Ihre Aufgabe ist es, einen guten Prozess zu organisieren, die richtigen Personen einzubeziehen und dafür zu sorgen, dass Weiterbildung dort ansetzt, wo sie wirklich gebraucht wird.

Häufige Fragen zur Bedarfsanalyse

Wie lange dauert eine gute Bedarfsanalyse?

Für ein einzelnes Training reichen oft zwei bis drei Stunden: Vorgespräche, ein Kurzfragebogen, eine saubere Zielformulierung. Bei mehrmonatigen Programmen lohnt sich ein halber Tag inklusive eines Blicks auf vorhandene Daten, etwa Fehlzeiten oder Mitarbeiterbefragungen.

Was, wenn im eigenen Haus wenig Zeit für eine Bedarfsanalyse eingeräumt wird?

Dann hilft eine ehrliche Rechnung. Ein Seminartag für zwölf Personen kostet schnell einen fünfstelligen Betrag an Arbeitszeit und Honorar. Zwei Stunden Analyse sind die günstigste Versicherung dafür, dass dieses Geld wirkt. Häufig ist gar nicht die Zeit das eigentliche Problem, sondern die Sorge vor unbequemen Antworten.

Wie kommunizieren wir die Bedarfsanalyse intern, ohne falsche Erwartungen zu wecken?

Machen Sie von Anfang an transparent, was mit den Antworten passiert und was nicht in der Hand der Maßnahme liegt. Wer fragt, weckt Hoffnung. Diese Hoffnung ist nur dann produktiv, wenn allen Beteiligten klar ist, wo die Grenzen der Maßnahme verlaufen.

Der nächste Artikel der Serie bleibt in der Dimension Achtsames Design und widmet sich Faktor 2, der Prozessbegleitung.

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