Man kann sich auch totsparen

Warum gekürzte Weiterbildungsbudgets das teuerste Sparprogramm sind

Dunkelroter Kreis
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Weiterbildungsbudgets: Ein Kommentar zum McKinsey HR-Monitor 2026, und was er für Ihr Gesundheitsmanagement bedeutet

Es gibt Sätze, die bleiben hängen. „Man kann sich auch totsparen“ ist so einer. Gesagt hat ihn nicht eine Gewerkschafterin oder ein Weiterbildungsanbieter mit Eigeninteresse, sondern Julian Kirchherr, Partner bei McKinsey, bei der Vorstellung des aktuellen HR-Monitors 2026. Wenn ausgerechnet die Beratung, die sonst für konsequente Effizienzprogramme bekannt ist, vor dem Rotstift warnt, lohnt sich ein genauer Blick.

Was die Studie zeigt

Für den HR-Monitor 2026 hat McKinsey 1.300 Personalverantwortliche und 5.500 Mitarbeitende in zehn Ländern befragt. Der HR-Monitor erscheint seit einigen Jahren regelmäßig und gilt als eine der größeren internationalen Erhebungen zum Zustand von Personalarbeit und Weiterbildung in Unternehmen. Das Muster in der aktuellen Ausgabe ist eindeutig: Je länger die wirtschaftliche Durststrecke anhält, desto stärker schrumpfen die Weiterbildungsbudgets. Ein Drittel der Beschäftigten hat im vergangenen Jahr keine einzige Stunde in die eigene Entwicklung investiert. Keine einzige Stunde.

Schon der Vorgänger-Monitor hatte die Richtung angedeutet. 33 Prozent der Mitarbeitenden verfügen demnach nicht über die Fähigkeiten, die ihre aktuelle Rolle eigentlich erfordert. Der Anteil derer, die ein Jahr lang gar keine Weiterbildung erhielten, war binnen eines Jahres von 23 auf 44 Prozent gesprungen. Die Schere zwischen dem, was Unternehmen an Fähigkeiten brauchen, und dem, was sie tatsächlich in ihre Menschen investieren, öffnet sich also genau in dem Moment, in dem sie sich eigentlich schließen müsste. Für Personalabteilungen bedeutet das eine doppelte Belastung. Der Qualifikationsbedarf steigt, während die Mittel dafür sinken.

Das Paradox: Gespart wird, wo die Rendite am höchsten ist

Aus psychologischer Sicht ist dieses Verhalten gut erklärbar, und trotzdem folgenreich. Unter wirtschaftlichem Druck verengt sich der Blick auf kurzfristige Kennzahlen. Was nicht unmittelbar auf das Quartalsergebnis einzahlt, wirkt verzichtbar. Weiterbildung, Gesundheitsförderung und Führungskräfteentwicklung gehören zu den Posten, deren Nutzen erst zeitversetzt sichtbar wird, und deren Streichung ebenfalls erst zeitversetzt spürbar wird.

Genau diese Verzögerung macht sie zum bevorzugten Sparziel. Und genau diese Verzögerung macht das Sparen am Ende teuer. Die Kosten verschwinden nämlich nicht, sie wandern nur in andere Spalten der Bilanz, etwa in Fluktuation, in Produktivitätsverluste und in Fehlzeiten. Allein die Entgeltfortzahlung für erkrankte Beschäftigte hat deutsche Arbeitgeber zuletzt rund 82 Milliarden Euro im Jahr gekostet, Tendenz seit Jahren steigend. Die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen sind 2025 noch einmal um knapp sieben Prozent gewachsen und stehen inzwischen auf Platz zwei der Ausfallursachen. Wer hier nicht vorbeugt, spart nicht wirklich. Er verschiebt lediglich die Rechnung, und diese Rechnung kommt mit Zinsen zurück.

Die Initiative Gesundheit und Arbeit hat auf Basis von rund 2.400 Studien errechnet, dass jeder in betriebliche Gesundheitsförderung investierte Euro im Schnitt 2,70 Euro durch reduzierte Fehlzeiten einspart. Es gibt im Unternehmen nur wenige Investitionen mit einer derart gut belegten Rendite. Sie zu streichen ist ungefähr so, als würde man die Wartung der Maschinen einstellen, weil gerade wenig Geld da ist. Kurzfristig sinken die Kosten sichtbar, mittelfristig steigen sie an anderer Stelle wieder an.

Was das für HR und BGM konkret bedeutet

Die gute Nachricht zuerst: Die Antwort auf knappe Budgets lautet nicht „nichts tun“, sondern klüger dosieren. Zwischen dem zweitägigen Präsenzseminar und dem kompletten Verzicht liegt ein ganzes Spektrum an Möglichkeiten, das viele Unternehmen bisher kaum nutzen.

Kurzformate sind dabei ein naheliegender Ansatzpunkt. Der Impulsvortrag, das Lunch & Learn in der Mittagspause oder das halbtägige Online-Seminar kosten nur einen Bruchteil eines vollen Seminartags, halten das Thema Gesundheit im Unternehmen sichtbar und erreichen auch verteilte Teams im Homeoffice. Sichtbarkeit ist dabei kein netter Nebeneffekt, sondern der eigentliche Kern der Wirkung. Studien zeigen immer wieder, dass viele Beschäftigte an Gesundheitsangeboten schlicht deshalb nicht teilnehmen, weil sie von ihnen gar nicht wissen. Ein Angebot, das niemand kennt, kann auch keine Wirkung entfalten, unabhängig davon, wie gut es inhaltlich ist.

Für die interne Argumentation lohnt es sich, mit Zahlen statt mit Appellen zu arbeiten. Wer intern um Budget kämpft, überzeugt eine Geschäftsführung selten mit einem allgemeinen Verweis auf die Mitarbeitergesundheit. Deutlich wirksamer ist die konkrete Rechnung. Was kostet ein Fehltag in Ihrem Unternehmen? Wie viele Fehltage muss ein einzelnes Format verhindern, damit es sich finanziell trägt? Bei einem Lunch & Learn mit zwanzig Teilnehmenden sind das häufig nur drei verhinderte Fehltage, um die Kosten zu decken. Diese Art der Rechnung versteht jede Geschäftsführung, weil sie in der gleichen Logik argumentiert wie bei jeder anderen Investitionsentscheidung.

Ein weiterer, oft übersehener Hebel ist die Kofinanzierung. Über § 20b SGB V beteiligen sich gesetzliche Krankenkassen an Projekten der betrieblichen Gesundheitsförderung. Das senkt die Einstiegshürde für viele Maßnahmen erheblich, ist aber vielen Unternehmen schlicht nicht bekannt oder wird aus Zeitgründen nicht geprüft. In der Praxis läuft das meist über einen formlosen Erstkontakt mit der zuständigen Krankenkasse, die prüft, ob das geplante Angebot förderfähig ist, und daraufhin einen Zuschuss oder eine anteilige Übernahme der Kosten in Aussicht stellt. Der Aufwand für diesen Schritt ist überschaubar, verglichen mit der finanziellen Entlastung, die er bringen kann. Gerade in Jahren mit engem Budget kann dieser Zuschuss den Unterschied machen, ob ein Programm überhaupt starten kann.

Wenn ein Format erst einmal läuft, lohnt sich der Blick auf einige wenige, aber aussagekräftige Kennzahlen. Dazu gehören die Teilnahmequote im Verhältnis zur eingeladenen Zielgruppe, die Entwicklung der Fehlzeiten in den beteiligten Bereichen über einen längeren Zeitraum und das direkte Feedback der Teilnehmenden zur wahrgenommenen Wirkung. Diese Kennzahlen liefern keine sofortigen Kausalbeweise, dafür sind Fehlzeiten zu vielschichtig verursacht, aber sie zeigen im Zeitverlauf recht verlässlich, ob eine Maßnahme trägt oder angepasst werden muss. Für die interne Kommunikation nach oben ist genau das entscheidend. Eine Zahl, die sich über mehrere Quartale beobachten lässt, überzeugt eine Geschäftsführung meist mehr als eine einmalige Erfolgsmeldung.

Zahlen zu WeiterbildungsbudgetsWas das für Ihre nächste Budgetentscheidung heißt

Für Sie als Entscheiderin oder Entscheider in HR stellt sich damit weniger die Frage, ob in Gesundheit und Entwicklung investiert wird, sondern wie gezielt das geschieht. Bevor ein Posten gestrichen wird, lohnt sich ein kurzer Realitätscheck. Wie hoch sind die tatsächlichen Fehlzeitenkosten in Ihrem Unternehmen aktuell, und wie haben sie sich in den letzten beiden Jahren entwickelt? Welche Formate laufen bereits, und wie viele Beschäftigte kennen sie überhaupt? Und welche Kofinanzierungsmöglichkeiten über die Krankenkassen wurden bisher genutzt oder ungenutzt liegen gelassen?

Diese Fragen ersetzen keine ausführliche Bedarfsanalyse, aber sie zeigen recht schnell, ob eine Kürzung tatsächlich Geld spart oder das Problem nur in die Zukunft verschiebt. Gerade weil die Wirkung von Prävention zeitversetzt eintritt, lohnt sich der Blick auf die eigenen Kennzahlen mehr als der Blick auf die allgemeine Wirtschaftslage.

Mein Fazit

Der McKinsey HR-Monitor 2026 ist kein Grund zur Resignation, sondern ein Weckruf mit prominentem Absender. Die Unternehmen, die jetzt klug und dosiert weiter in ihre Menschen investieren, werden den Abstand zu denen, die pauschal streichen, in den kommenden Jahren spürbar vergrößern. Oder, um beim Bild zu bleiben: Totsparen ist auch eine Entscheidung. Nur eben keine gute.

Sie möchten wissen, was Fehlzeiten Ihr Unternehmen konkret kosten, und was schon ein einzelnes Kurzformat bewirken kann? Probieren vereinbaren Sie ein unverbindliches Gespräch.

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