Homeoffice macht auf Dauer krank

Immer wieder wird die Frage gestellt: „Ist der plötzliche Arbeitsplatzwechsel vom Büro ins Homeoffice durch Corona ein Fluch oder Segen?“ Ich denke die Antwort kann nicht pauschalisiert werden und viele Faktoren sind bei der Beantwortung mitzuberücksichtigen. Einerseits sind Vorteile der Wegfall des Arbeitsweges und flexiblere Arbeitszeiten, andererseits fehlt der Kontakt zu den KollegenInnen und soziale Isolation nimmt deutlich zu.

Ein -aus meiner Sicht- wichtiger Faktor ist der Zusammenhang von Homeoffice und psychischer Gesundheit. In dem folgenden Artikel sind Zahlen, Daten und Fakten die Grundlage für eine gezielte Analyse der Auswirkungen von Homeoffice auf die langfristige psychische Gesundheit der Arbeitnehmenden in Deutschland. Die Ergebnisse sind eindeutig und erschreckend zugleich.

Homeoffice erobert die Arbeitswelt im Sturm

Es kam unerwartet und heftig. Von heute auf morgen mussten viele Unternehmen Anfang 2020 umdenken und plötzlich war Homeoffice das Mittel der Wahl geworden. Bedenken und scheinbar unüberwindbare Schwierigkeiten wurden einfach beiseite geräumt und in Windeseile mobiles Arbeiten ermöglicht

Schlussendlich arbeiteten in der Hochzeit der Corona-Pandemie in Deutschland 10,5 Millionen Berufstätige ausschließlich im Homeoffice und 8,3 Millionen zumindest teilweise von zu Hause. Laut Studien und Hochrechnungen wird davon ausgegangen, dass auch nach der Pandemie mehr als jeder Dritte (35%) seinen Arbeitsort flexibel gestalten wird und das Homeoffice fester Bestandteil der persönlichen Arbeitswelt bleibt. (www.bitkom.org/Themen/Corona)

Konsequenzen für die Gesundheit

In den letzten zwei Jahren haben sich unter anderem die Krankenkassen intensiv mit den Auswirkungen des Homeoffice auf die psychische Gesundheit beschäftigt.

Die AOK fasst ihre Umfrageergebnisse wie folgt zusammen: „Beschäftigte im Homeoffice leiden stärker an psychischer Belastung als Menschen, die nur an ihrem Arbeitsplatz tätig sind, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen. Wer viel im Homeoffice arbeitet, leidet häufiger unter solchen Problemen als andere Beschäftigte.“ (www.aok-bv.de)

Weiterhin hat die AOK hat bei einem Vergleich von Mitarbeitenden im Betrieb und im Homeoffice folgendes festgestellt: Mitarbeitende im Homeoffice

  • arbeiten vermehrt auch am Abend und am Wochenende
  • werden auch außerhalb der offiziellen Arbeitszeit durch Anrufe und E-Mails kontaktiert
  • haben Probleme mit der Trennung von Arbeit und Privatleben

Auch in eine Studie der Technischen Universität Chemnitz in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse gaben rund 60% der Befragten, die von Zuhause aus arbeiteten, an, dass im Homeoffice die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben verschwimmen. Viele empfinden das als hohe Belastung.

Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (Beyondwork2020) glauben über 50% der insgesamt über 2.500 Befragten, das die psychische Gesundheit unter der häufigen Arbeit von zuhause leidet.


Stress wird zum Belastungsfaktor für die Psyche

Stress macht auf Dauer nachweislich krank. Vor allem psychische Auswirkungen sind eine häufige Folge. Im Ärzteblatt (www.ärzteblatt.de) und auch in einem Bericht der KKH wird deutlich davor gewarnt, dass psychische Erkrankungen in den letzten zwei Jahren stark zugenommen haben. Immer mehr Menschen kommen an ihre eigenen Belastungsgrenzen.

Eine erschreckende Zahl:

82% der Deutschen klagen über Stress im Alltag. Vor allem im Gesundheits- und Pflegeberich hat dieses Phänomen seit Corona stark (+31%) zugenommen (Quelle: Swiss Life und YouGov Deutschland). Doch nicht nur das Pflegepersonal ist betroffen. Zahlreiche Studien zeigen, dass auch junge Menschen, Eltern und vor allem Frauen mit den psychischen Folgen aktuell zu kämpfen haben.

Frauen sind besonders betroffen

In der Corona Pandemie waren viele Frauen mehrfach belastet. Homeoffice, Homeschooling und fehlende Betreuung für pflegebedürftige Eltern und Kindergartenkinder waren eine echte Herausforderung. Umfrageergebnisse der Bertelsmann Stiftung ergaben, dass sich nach eigenen Einschätzungen fast die Hälfte der Frauen sich an ihren körperlichen und psychischen Grenzen gebracht haben. (www.bertelsmann-stiftung.de)

Auswirkungen und langfristige Schäden

Bei vielen Menschen ist durch Corona eine große Verunsicherung entstanden. Zusätzlich verstärkt wurden Symptome wie innere Unruhe, Angst und Anspannung durch die Arbeit im Homeoffice. Je länger die Belastung anhält, kann sich daraus weitere Störungen entwickeln.

Hier ein paar typische Gefahren für die Psyche:

  • emotionale und körperliche Erschöpfung
  • depressive Verstimmung und Resignation
  • Schlaf und Konzentrationsprobleme
  • Nervosität und Reizbarkeit
  • Lustlosigkeit und Selbstzweifel

Zusammenfassung und Lösungsansätze

Die Corona-Pandemie ist nicht nur ein Angriff auf den Körper, sondern auch eine Gefahr für die Psyche. Die langfristige Gesunderhaltung und psychische Stabilität vor allem auch im Homeoffice muss oberste Priorität erhalten.

Unternehmen brauchen gute Angebote im betrieblichen Gesundheitsmanagement und die psychische Stabilität (Resilienzfähigkeit) sollte jede Person sich auf die eigene Fahne schreiben.

Der gesunde Umgang mit Stress und Belastung basiert auf drei Ebenen:

  1. Stress nach Möglichkeit vermeiden/reduzieren
  2. Lernen, Stress gesund zu bewältigen
  3. Nach stressigen Situationen bewusst entspannen

In einem weiteren Blogartikel von mir finden sie Anregungen zur besseren Trennung von Arbeits- und Privatzeit im Homeoffice. Hier geht´s direkt zum Artikel: https://www.institut-kuhn-krainick.de/fuenf-plus-eins-ideen-zur-besseren-trennung-von-arbeits-und-privatzeit-im-home-office/


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SANDRA KUHN-KRAINICK ist seit über 25 Jahren als Trainerin und Coach in Unternehmen tätig. Ihre Themenschwerpunkte sind:

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